9. Dezember 2017

Weihnachten 2017 in Venedig



Weihnachten in Venedig ist nicht so "romantisch" wie ein glühweinseliger Weihnachtsmarkt des Nordens, aber nicht weniger konsum- und luxusorientiert. Für Weihnachtseinkäufe der entsprechenden Kund*innensegmente also geeignet. Venedig im Winter ist auch nicht mehr die Ruhephase des Jahres, wie sie immer noch gerne propagiert wird. Die großen asiatischen Reisegruppen bevölkern auch jetzt Riva, Piazza und Rialto, wenn auch die Gassen ohne Markenshops und Massenwarenläden leer sind. 
Für viele Freund*innen der schönsten Stadt die einzig vorstellbare Reisezeit. Meine Zeit in Venedig ist der Jahreswechsel bekanntlich nicht, kurzes mattes Tageslicht und feuchte Kälte sind für mich dem Genuß venezianischer Schönheit abträglich, Stiefel und Mantel dem Wandern durch die Stadt, die langen Abende nicht die Reisefreude der Alleinreisenden. Lesen kann ich zuhause besser. 

Hier also die Termine um die Feiertage herum für überzeugte (oder zufällige) Weihnachtsurlauber*innen, verbunden mit herzlichen Wünschen für genußreiche und inspirierende Tage.


2.12.-7.1. Weihnachtsmarkt auf dem Campo Santo Stefano ist in diesem Markt als kleines "Weihnachtsdorf" wieder im Angebot. Lieberhaber von Weihnachtsmärkten sind in nördlicheren Breiten besser bedient.
Alle Weihnachtsmärkte der 'Metropolregion' Venedig.


2.-24.12. My Christman Venice. Eine Reihe verschiedener weihnachtsbezogener kommerzieller Veranstaltungen an verschiedenen Orten im historischen Zentrum, Gesamtprogramm. Hier nochmal nach Terminen sortiert

2.12.-7.1. Weihnachtsprogramm auf den Inseln Lido und Pellestrina.

3.12.
10.12.
17.12.
24.12. jeweils 16 Uhr, San Trovaso Konzertreihe "Avvento in Musica" der Associazione Alessandro Marcello. Eintritt frei.

7.12.-14.2. Eislaufbahn auf dem Campo S. Polo. Wie immer umgeben von einigen Buden mit Speisen und Getränken. Das Ganze auf englisch.

8.12. 17:00 Uhr, Einlass 16:30 Uhr SS. Giovanni e Paolo das jährliche Gran Concerto per l'Immaculata. Eintritt frei, da es ein Wohltätigkeitskonzert ist, wird eine großzügige Spende erwartet. Haltestelle Ospedale.

10.12. Ca' d' Oro: Eröffnung der Ausstellung (10.12.-8.4.) "Memoria e Progetto". 40 Werke von Guido Strazzo, die der Künstler der Galleria Franchetti geschenkt hat. Mehr zum Künstler.

14.-20.12. Konzertreihe S. Martino a Natale. Verschiedene Aufführungsorte, Eintritt frei. Reservierung erforderlich.

17.12. 10 - ca. 11 Uhr Canal Grande: Regatta der Weihnachtsmänner. Die Regatta findet zum 8. Mal statt, wird bestritten von Mannschaften auf Caorline (Arbeitsbooten der venezianischen Lagune) und Drachenbooten, zunächst um 10 Uhr von der Ca' Foscari zum Ufer von S. Marco, dann wieder durch den Canal Grande zurück zur Ca' Foscari. Das ist der Weihnachtssport für wenige, es gibt aber auch den...

17.12. 9:00 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo vor S. Giacometto di Rialto ...Weihnachssport für alle: Lauf der Weihnachtsmänner (-frauen, -kinder). Anmeldung gegen Gebühr von 10 € (Erwachsene) bzw. 5 € (Kinder) bei: The Venice Sport Shop, calle dei stagneri, San Marco 5249 und in der Tabaccheria am Campo S. Barnaba. Geht aber auch online, inkl. Komplettservice (Weihnachtskostüm, Gepäckaufbewahrung etc.)

24.-26.12. Angebote von Weihnachtskonzerten in Kirchen kann man örtlichen Aushängen entnehmen. Auch den Besuch von Gottesdiensten empfehle ich wärmstens. Für Kirchenmitglieder und/oder Gäubige eine normale Sache, können sie für Ahnungs- und Gottlose ein überraschendes Erlebnis einer Kirche sein in voller Ausleuchtung, mit Musik- und Weihrauchbegleitung, je nach Kirche mit kompletter Belegschaft des Klerus auf der 'Bühne' in unerwarteter Kostümausstattung. (Wir wissen ja, dass der Ursprung von Gottesdienst in antiken theatralischen Aufführungen liegt.)

Besonders beeindruckend sind Gottesdienste in San Marco in Anwesenheit des Patriarchen, Eingang jeweils durch das Nordportal:
  

24.12. 23:30 Uhr Weihnachtsmette
25.12. 10:30 Uhr Weihnachtsamt
25.12. 17:30 Vesper mit Prozession zum Altar der Nikopió

31.12. 18:30 Uhr Sylverstermesse mit Te Deum
1.1. 10:30 Neujahrsamt mit Veni Creator
1.1. 10:30 Uhr Vesper mit Prozession zum Altar der Nikopió

In den venezianischen Kirchen ist zwischen Weihnachten (24.12.) und Epiphanie (6.1.) die volkstümliche Kunst der Krippen in allen Geschmacksrichtungen zu bewundern. Drei Beispiele: Krippe in San Trovaso 2013 -  Krippe der Scalzi 2014 - Krippe in SS. Giovanni e Paolo 2011.

25.12. Städtische Museen Venedig: Sonderöffnung

26.12. 17:00 und 20:30 Uhr Teatro Goldoni: Tschaikowsky, Der NussknackerKarten.

28.12.-1.1. Teatro La Fenice: Neujahrskonzert 

31.12. Sylvesterfeuerwerk findet an der Riva degli Schiavoni statt. 

1.1. 11:15 Uhr das traditionelle Neujahrsschwimmen findet in der Adria, am Strand des Lido beim Blue Moon statt. 

1.1. Städtische Museen Venedig: Sonderöffnung.

2.1. 2018 Ca' Rezzonico: Sonderöffnung, normalerweise dienstags geschlossen

3.1. Dogenpalast, Ende der Ausstellung "Die Schätze der Mogule und Maharadjas". Diese Ausstellung ist völlig jenseits meiner Interessen, ich habe sie "nur" als Begleiterin gesehen. Umwerfend. Danach wundert man sich nicht mehr, wenn ein saudischer Prinz einen Salvador Mundi für 450 Millionen kauft. Interessante und empfehlenswerte Zugabe zum Besuch des Dogenpalastes.  

6.1. am frühen Vormittag: Canal Grande zwischen S. Tomà und Rialto: "Regata delle Befane". Traditionelle Hexenregatta am Dreikönigstag, auch teilnehmende Männer sind als Hexen verkleidet. Die Sache ist ganz lustig, aber ruckzuck vorbei, also leicht zu verpassen. Die Uhrzeit ist bisher nicht angegeben, bitte nachsehen auf der Website des veranstaltenden Rudervereins Bucintoro.

7.1. Peggy Guggenheim Collection, Ende der Ausstellung "Picasso on the Beach". Nicht verpassen.


Liste wird ggfs. noch ergänzt.
Allgemeine Kulturtermine bis zum Jahresende 2017





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2. Dezember 2017

S. Lazzaro dei Mendicanti


Canaletto; Rio dei Mendicanti 1724

Portal S. Lazzaro dei Menidanti 2009

Tatsächlich ein Bericht über diese Kirche, zum Ospedale-Komplex gehörig und praktisch immer verschlossen! 
San Lazzaro dei Mendicanti wird nur noch genutzt für katholische Trauergottesdienste; meist für Menschen, die als Patienten des Ospedale verstarben, aber die Nähe zur Friedhofsinsel S. Michele spielt vielleicht auch eine Rolle. 


Guernico, S. Helena betet das Kreuz an


Veronese, Kreuzigung mit Jungfrau und S. Giovanni


Tintoretto, S, Orsola und die 11.000 Jungfrauen

Der Bau ist vergleichsweise jung (1630er Jahre), aber der Name S. Lazzaro wanderte vom ehemaligen Heim für Leprakranke neben der Kirche S. Trovaso, das wegen der Ansteckungsgefahr, aber auch des Anblicks der Kranken 1262 auf eine der nahen Laguneninseln verlegt wurde und dort hängenblieb (seit dem 18. JH S. Lazzaro degli Armeni) an den Rio dei Mendicanti. Die Lepra in ganz Europa im Rückzug und die umständliche und teure Inselversorgung der Kranken in Venedig bei 'nur' noch 42 Patientinnen im Jahr 1595 führte zum Beschluss, das Heim auf S. Lazzaro zu schließen und die Kranken in ein allgemeines Hospital in die Stadt zurückzubringen. 'Allgemein' bedeutete die öffentliche Versorgung von Menschen, die nicht selbst für sich sorgen konnten - Waisen, Alte, Versehrte, chronisch Kranke, 'Vagabunden', Behinderte - die Hospitäler wurden von Orden getragen. Finanziert wurden sie über Spenden, Erbschaften und ähnliches Fundraising, aber auch genialerweise über die Verbindung von Pädagogik (musikalischer Erziehung der Waisenkinder, sprich Waisenmädchen) und vorhandenen Räumlichkeiten (Kirchen) zu enorm beliebten Konzertveranstaltungen, die die Kassen klingeln ließen.  

Herr Goethe hörte ein Konzert in S. Lazzaro dei Mendicanti am 3.10.1786 und schreibt in der "Italienischen Reise":
Den 3. Oktober.

Den Plan in der Hand suchte ich mich durch die wunderlichsten Irrgänge bis zur Kirche der Mendicanti zu finden. Hier ist das Konservatorium, welches gegenwärtig den meisten Beifall hat. Die Frauenzimmer führten ein Oratorium hinter dem Gitter auf, die Kirche war voll Zuhörer, die Musik sehr schön, und herrliche Stimmen. Ein Alt sang den König Saul, die Hauptperson des Gedichtes. Von einer solchen Stimme hatte ich gar keinen Begriff; einige Stellen der Musik waren unendlich schön, der Text vollkommen singbar, so italienisch Latein, daß man an manchen Stellen lachen muß; die Musik aber findet hier ein weites Feld.

Es wäre ein trefflicher Genuß gewesen, wenn nicht der vermaledeite Kapellmeister den Takt mit einer Rolle Noten wider das Gitter und so unverschämt geklappt hätte, als habe er mit Schuljungen zu tun, die er eben unterrichtete; und die Mädchen hatten das Stück oft wiederholt, sein Klatschen war ganz unnötig und zerstörte allen Eindruck, nicht anders als wenn einer, um uns eine schöne Statue begreiflich zu machen, ihr Scharlachläppchen auf die Gelenke klebte. Der fremde Schall hebt alle Harmonie auf. Das ist nun ein Musiker, und er hört es nicht, oder er will vielmehr, daß man seine Gegenwart durch eine Unschicklichkeit vernehmen soll, da es besser wäre, er ließe seinen Wert an der Vollkommenheit der Ausführung erraten. Ich weiß, die Franzosen haben es an der Art, den Italienern hätte ich es nicht zugetraut, und das Publikum scheint daran gewöhnt. Es ist nicht das einzige Mal, daß es sich einbilden läßt, das gerade gehöre zum Genuß, was den Genuß verdirbt.

Mit dem Ende der Serenissima 1797 wurden auch die vier für ihre Musikveranstaltungen berühmten Hospitäler Pieta, Mendicanti, Ospedaletto und Incurabili geschlossen und konvertiert. Das Ospedale der Mendicanti diente zunächst als österreichisches Militärkrankenhaus und entwickelte sich dann zum städtischen Krankenhaus Venedigs, aber das ist eine andere Geschichte.
Hier geht es um die Kirche, die immer geschlossen ist, es sei denn, man kommt während einer Trauerfeier am offenen Portal vorbei. Wer hätte den Nerv... ich jedenfalls nicht. Vor Jahren konnte ich NACH einem Gottesdienst (und nachdem ich gefragt hatte) mal einen viel zu kurzen Blick ins Innere werfen. 






Überraschung im September: im Rahmen eines 2wöchigen Berufserkundungsprojekts venezianischer Gymnasien wurde die Kirche  aufgesperrt und von einem Mädchen und einem Jungen betreut und präsentiert - täglich 3 Stunden, gut vorbereitet, in gutem Englisch bei Bedarf, aufmerksam, motiviert. Eine tolle Sache. Ich bedanke mich nochmals bei den Beiden für ihr ungewöhnliches Erkundungsthema und berichte hier für alle Neugierigen, die das Ereignis verpasst haben.


Fassade S. Lazzaro dei Mendicanti
Denkmal Alvise Mocenigo, Seite zur Vorhalle


Denkmal Alvise Mocenigo, Innenseite
Blick zur Vorhalle

Hinter der palladianischen Fassade zur Fondamenta (von Antonio Sardi und seinem Sohn Giuseppe) befindet sich eine große Vorhalle von der Tiefe der Gebäudezeile am Ufer, dann erst folgt die einschiffige Kirche (Architekt Vincenzo Scamozzi) und rechts und links davon jeweils ein Kreuzgang mit altem Baumbestand und schönen Brunnenköpfen nach Entwürfen von Baldassare Longhena
Die Kirchenfassade in der Vorhalle und ihre Rückseite in der Kirche ist komplett das enorme Denkmal (restauriert mit Mitteln der Stiftung Pro Venezia) für den Admiral Alvise Mocenigo (1584-1654), Procurator von San Marco, Vorbild und Held mehrerer Seeschlachten um Paros, Naxos, Kreta, bestattet ein paar Schritte weiter in SS. Giovanni e Paolo.
In der Vorhalle gestaltet von Giuseppe Sardi mit 8 schwarzen, korinthischen Säulen, 2 Engeln mit dem Wappen des Seehelden und an den Seiten 4 Basreliefs mit den Festungen von Candia (dem venezianischen Kreta, das 1645-69 Festung für Festung von den Osmanen genommen wurde). Auf der Innenseite der Kirche wurde das Denkmal Alvise Mocenigos als Auftrag seines Enkels Alvise IV von Giusto Le Court geschaffen. Zwei großartige Reliefs in weißem Carrara-Marmor zeigen links eine Schlacht um Candia (heute Heraklion) rechts eine Schlacht um Paros. Darunter Skulpturen von 'Gerechtigkeit' und 'Tapferkeit' über allem in der Mitte von Alvise Mocenigo persönlich. 



Denkmal Alvise Mocenigo
Relief Schlacht um Candia


Denkmal Alvise Mocenigo
Relief Schlacht um Paros

Das Kirchenschiff ist eine schlichte rechteckige Box ohne Seitenkapellen, aber mit Seitenaltären, deren Altarbilder Werke von Guercino ( S. Elena betet das Kreuz an), Salviati (Verkündigung), Paolo Veronese (Kreuzigung mit Jungfrau und S. Giovanni) und Iacopo Tintoretto ( S. Orsola und die 11.000 Jungfrauen) sind. Der Guernico und der Salviati wurden mit Mitteln von Save Venice restauriert. Die ursprüngliche Deckenbemalung existiert nicht mehr, aber die optisch sehr nachdrückliche Gestaltung der Seitenwände durch Marmorinkrustation. Und natürlich die eingebaute vergitterte Empore, 1744 erfolgshalber vergrößert, für die Orgel und den Chor der "Putte" der Waisenmädchen, die den Blicken des Publikums nicht dargeboten werden sollten, siehe Goethe oben.  


Kirchenschiff, Apsis (mit eher schlichtem Tafelbild von Bellini di Fino:
Auferweckung des Lazarus, 1857
Kirchenschiff, linke Seite mit Kanzel und vergitterten "Putte"-Räumen

Kirchenschiff, rechte Seite mit Orgelempore und
vergitterten "Putte"-Räumen

In den Kreuzgängen an den Seiten des Kirchenschiffs befindet man sich  im nicht mehr funktionalen Teil des heutigen Ospedale Civile. Es geht mal jemand vom Krankenhauspersonal durch, oder man trifft auf einzelne Patient*innen, die vielleicht abseits ein bisschen Ruhe suchen. Die findet man hier auf den bequemen Bänken wirklich, ohne Sorge, zu stören. Es ist einer der schönsten venezianischen Tagträume, unter der Ruine des Kirchturms im Schatten des Kreuzgangs und in Gesellschaft einer der hier lebenden Katzen eine kleine Ruhe- und Denkpause einzulegen. Die Kreuzgänge und die Vorhalle von S. Lazzaro dei Mendicanti erreicht man auch durch den Haupteingang (wenn man den Weg durch die Ospedalegebäude kennt), aber die Möglichkeit des Kirchenbesuchs dürfte wohl ziemlich einmalig gewesen sein. 


Kreuzgang links der Kirche mit Brunnen und Campanile


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23. November 2017

Neue Führung für Fortgeschrittene: Ateneo Veneto

Voraussetzungen:
1. gute Kenntnis der italienischen Sprache (nur passiv wäre kein Problem)
2. Interesse an Details der venezianischen Geschichte (Vorkenntnisse wären von Vorteil)

Iacopo Palma Giovane,  Fegefeuerzyklus
(im Versammlungsraum der Scuola Grande di San Fantin)
Quelle: Venipedia


Ich habe am 22.9. mit gut 20 weiteren Interessierten an der Führung "La storia dell' Ateneo Veneto: dalla "Buona Morte" al Risorgimento veneziano" (Die Geschichte der Hochschule des Veneto: von der Bruderschaft "Guter Tod" zum venezianischen Risorgimento) teilgenommen. Da sie am 25. November wieder angeboten wird, will ich die Gelegenheit nutzen, sie in hohem Ton zu loben und zu empfehlen.

Das Angebot kommt von VENIPEDIA, das ursprünglich ein Projekt zur Enzyklopädie Venedigs war, sich in den letzten Jahren aber mit einem Verlag und neuerdings Führungen erheblich erweitert hat, dank eines engagierten Teams und, wie ich hoffe, starken Interesses der internationalen Gemeinde von Venedig-Bewunder*innen. Auch die Führung wird von diesem Team bestritten, im September waren das mehrere (während des Ganges ansprechbare) Personen, während eine Historikerin (sehr kompetent und in ausgezeichnet verständlichem Italienisch) die Führung leitete und ein Schauspieler an verschiedenen Schauplätzen der Führung beeindruckend Originaldokumente wie Reden historischer Protagonisten, Testamente, Gerichtsurteile etc. vortrug. 

Mitglied der Bruderschaft 'Buona Morte'

Die Führung hat verschiedene historische Ebenen. Die Geschichte des Ateneo Veneto einerseits (auf italienisch detaillierter auf der Seite von Venipedia) als Sitz der Scuola Grande di San Fantin mit ihrer reichen künstlerischen Ausstattung auf beiden Etagen und der wichtigen Funktion der Bruderschaft von San Fantin. Das war die Vorbereitung von zum Tode Verurteilten auf den Übergang vom Leben zum Tod - mit weltlichen Fragen wie z. B. Schreiben des letzten Willens und spirituellen wie z. B. der Reue über die Tat, erforderlich für die Rettung ins Fegefeuer vor der ansonsten sicher bevorstehenden Hölle. Das Thema der venezianischen Rechtsprechung, besonders Kapitalstrafen und ihre Exekution ist ein spannender Bestandteil der gesamten Führung, die mit mindestens 2 Stunden angekündigt ist, aber im September über 3 hochinteressante Stunden dauerte.
Die Bruderschaft wurde mit fast allen anderen mit dem Ende der Republik Venedig (1797) aufgelöst und es folgen, noch in den Räumen des Ateneo Veneto, die Ebenen der venezianischen Medizingeschichte und vor allem des venezianischen Risorgimento mit Protagonisten wie Niccolò Tommaseo und Daniele Manin.
Dann wandert die Führung in großen Schlenkern und vielen weiteren Informationen durch das Sestiere San Marco zu Schauplätzen, Gedenktafeln und Denkmälern und endet nach dem Gefängnis an den beiden Säulen am Ufer der Piazzetta, zwischen denen früher das Gerüst für öffentliche Hinrichtungen aufgestellt wurde. 


Die Führung im September war von hoher Qualität - jede Minute und jeden Cent wert. Es gibt noch einen besonderen "Mehrwert": am Tag vor dem Termin erhielt ich per Mail Texte zur Vorbereitung (sehr hilfreich, um die Führung gut verstehen zu können) und während der Führung wurde ein Password bekanntgegeben, mit dem man für 30 Tage online-Zugriff auf Dateien (z. B. Scans von Dokumenten) erhielt, die mit den Inhalten der Führung in Zusammenhang stehen. Ein toller Service.

Wer am 25. November in Venedig ist, sollte sich (unter den genannten Voraussetzungen) die Tour nicht entgehen lassen. 
Anmeldung
Das Hilfsangebot von Venipedia gilt. Bei Fragen oder Bitten um Unterstützung bei der Anmeldung kommt erfahrungsemäß sehr schnelle freundliche Unterstützung per Mail.


Denkmal Daniele Manin, Campo Manin

  
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16. November 2017

45 Minuten Entsetzen über Venedig




Jede neue Dokumentation über Venedig erschreckt. Wer länger nicht in Venedig war, mag den Bildern kaum glauben. Und wer die schönste Stadt öfter besucht erschrickt umso mehr vor der distanzierten Projektion, da keine umgebende Schönheit vom Unglaublichen ablenkt. 

Der Reporter Thomas Niemietz hat in diesem Herbst Venedig besucht und einen Bericht gedreht, der auf alle Venedigromantik verzichtet. Gespräche mit den Verlierer*innen des Ausverkaufs wie Leuten auf Wohnungssuche in der Altstadt und, resignierend, auf dem Festland; ihren Unterstützern wie z. B. deutschen Umweltwissenschaftlern; Vertreter*innen von Bürgerinitiativen von NoGrandiNavi bis zur Hausbesetzerszene - und den Gewinner*innen wie AirBnB-Vermieter*innen ("das machen alle...") bis zur notorischen Vertreterin der Stadt, Paola Mar.
Über den täglichen Kampf mit den venezianischen Auswüchsen der Wohnungsnot, der Umweltbelastungen, des prekären Arbeitsmarkts und des Massentourismus. Danach ersetzt man als Zuschauer*in das rhetorische Fragezeichen im Titel geschockt durch ein Ausrufezeichen.  

Hinsehen, Zeug*in sein, Konsequenzen ziehen.







Der Film steht ein Jahr in der SWR-Mediathek bis 15.11.2018. 

Es gibt auch TV-Wiederholungen: 
18.11. auf Tagesschau24
3.1.2018 auf WDR



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11. November 2017

Neues von San Lorenzo

Dritter Baustelleneintrag in Folge! 

Und obwohl es rein äußerlich keine Veränderung gibt an der Baustelle von S. Lorenzo seit meinem Eintrag vom 10.6. 'Neue Arbeiten an San Lorenzo', siehe Foto unten, geht es innerlich  hoch her, wie ich gestern erfahren habe.

San Lorenzo 21.10.2017

In meiner Stadt findet derzeit die 23. UNO-Klimakonferenz (COP 23) statt. Eine riesige 2wöchige Veranstaltung mit 25.000 Teilnehmer*innen und unzähligen Terminen, zu denen nur Akkreditierte zu Zutritt haben, und wenigen Angeboten, die öffentlich sind. Ich habe gestern an der öffentlichen ganztägigen Konferenz "Open Ocean Space X COP 23" der TBA21 (Thyssen Bornemisza Art 21) teilgenommen. 

Die Konferenz wurde von der TBA21 Academy gestaltet unter Beteiligung der TBA21 Gründerin Francesca von Habsburg, dem Leiter der TBA21 Academy Markus Reymann und einer Reihe internationaler Aktivist*innen und Künstler*innen. Im Laufe des Tages gab es mehrere hoch interessante Diskussionspanels und in der letzten Stunde eine Session mit 6 Filmen von TBA21-Künstler*innen unter dem Titel "The Impossibility of an Island". Der Film "Deep Weather" von Ursula Biemann war dabei, der mich bereits 2013 als Teil des Biennaleauftritts der Malediven tief beeindruckt hat. 
(Weitere interessante filmische Dokumente der Arbeit der Stiftung TBA21 seit 2002 sind auf der Website zu finden.)


Einer der Impulsfilme zur Einleitung von Diskussionsrunden


Ich hatte im Vorfeld der Konferenz in einem Mail um ein kurzes Gespräch mit Francesca von Habsburg über das Projekt in San Lorenzo gebeten (wer würde nicht versuchen, eine solche Gelegenheit zu nutzen!) und keine Antwort erhalten - naja, erwartungsgemäß.

Die Überraschung traf mich deshalb ganz unerwartet, als sie zwischen der letzten Diskussionsrunde und der Filmsession das neue Projekt ihrer Stiftung in Venedig verkündete: World Ocean Space Venice in San Lorenzo als, wenn ich das richtig verstanden habe, Niederlassung der TBA21 Academy.

Es folgen Fotos, die ich mit meinem Handy (dessen Kameraqualität keine Priorität hat) von den Projektionen gemacht habe. Also qualitativ schlechte Fotos, aber interessant.





Vorstellung des Projekts, selbst die Diskussionsgruppe guckt überrascht, 
wie auch das Publikum.
V.l.n.r.; Markus Reymann, Anne-Marie Melster, Lisa Rave,
Litia Kirwin, Mark Spalding, Francesca von Habsburg




In der Klosterkirche aus dem 16./17. JH, die ja längs in zwei riesige Hallen geteilt ist mit dem Altar zwischen den beiden Hälften, werden mit der Restaurierung Räume geschaffen für Kunstinstallationen und Kunstausstellungen, Geräusch- und Vergrößerungsinstallationen, Performances, Filmvorführungen, Bildungs- und Forschungsangebote der Academy und ihr Archiv.













Nach dem Ende der Konferenz erfuhr ich noch unter Anderem, dass die Archäologie abgeschlossen sei (während der letzten Biennale-Ausstellung Mexikos klafften im Boden noch die riesigen Grabungslöcher), also Boden zu, auch das Dach dicht, an dem im Mai gearbeitet wurde, und die Arbeiten an der Zentralhalle begonnen hätten. 

Mit dem Abschluss der Arbeiten rechnet man in ca. 1,5 Jahren, der Start des World Ocean Space Venice könnte demnach im Sommer 2019 stattfinden. Wenn alles nach Plan läuft, was zu hoffen und wünschen ist. Und dann lassen wir uns von Frau Habsburg mit dem Ergebnis überraschen. 



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9. November 2017

Die nächste Baustelle - Piazza San Marco

Nächste Baustelle: die Alten Prokuratien an der Piazza San Marco, seit 1831 Sitz und seitdem peu à peu Besitz des Versicherungskonzerns Generali (der auch die zuvor beschriebene Restaurierung der Giardini Reali sponsort). 

Es wird hier bereits seit Monaten quasi ohne Aufhebens gearbeitet (siehe den kurzen Film veröfentlicht in der NUOVA vom 4.10.)  - nur ein kleines Baugerüst, ein kleiner Bauzaun auf der Piazza - bis Generali vor einem Monat eine Medienkampagne zur Gründung seiner gemeinnützungen (sprich steuersparenden) Initiative "The Human Safety Net" veranstaltete. 

Aus meiner Sicht ist das viel Lärm um sehr sehr wenig - 30.000 Kinder armer Familien, die in ihren ersten 6 Lebensjahren kostenlos medizinisch versorgt werden, Finanzierung von 500 Start-up.Projekten ehemaliger Flüchtlinge, 1000 Neugeborene (insgesamt oder auf eine Bezugsgröße ist unklar), die dank der Weiterbildung von medizinischem Personal vor Sauerstoffnot während der Geburt bewahrt werden sollen. 
Bescheidene Ziele für ein weltweites Programm eines enorm reichen internationalen Konzerns. Aber im Wesentlichen zielt "The Human Safety Net" wohl darauf ab, die gegenseitige (ehrenamtliche?) Unterstützung von Menschen und Gruppen untereinander in Schwung zu bringen. Ist das wohltätig? Ein Steuersparmodell? Marketing? Oder dies alles und Weiteres?
Diese kritische Anmerkung steht als kleiner Kontrapunkt zu den Lobeshymnen der Generali Medienkampagne und der teils leider unkritischen Übernahme der Textvorlage durch die verbreitenden Medien (deren Weiterbreitung ich eigentlich nicht betreiben will). 

Siehe als deutschsprachiges Beispiel: 
Presseportal: Generali Group plant Restaurierung des Zentrums von Venedig im Rahmen der globalen, gemeinnützigen Initiative "The Human Safety Net".





Das Projekt der Restaurierung und Neugestaltung der Alten Prokuratien ist dem bisher eigentlich hoch geschätzten David Chipperfield anvertraut, der in Venedig die Erweiterung des Friedhofs S. Michele und die Architekturbiennale 2012 verantwortete. 
Sie beinhaltet die Innenräume (die in 500 Jahren häufige Veränderungen erlebt haben), die Öffnung von Innenhöfen, die Verbindung dieses nördlichen Teils der Piazza mit dem südlichen Teil durch den Zugang zu den Königlichen Gärten mittels Durchgang durch die procuratie nuove und die restaurierten Zugbrücke (oder Klappbrücke), alles schön zu sehen in den Projektbeschreibungen. 
Generali, das alle Räume 'The Human Safety Net' überlässt und seine Büroräume aufs Festland nach Mogliano transferiert hat, verspricht Öffnung des Gebäudes "zum ersten Mal in 500 Jahren", öffentliche Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, also Zugang für die Öffentlichkeit. 

NICHT für die Öffentlichkeit, sondern nur für die 'interne' Nutzung geplant ist die bei der Baubehörde beantragte Genehmigung einer "Mega"-Dachterrasse analog der Terrasse auf dem Fondaco dei Tedesci. Kein Thema der Medienkampagne von Generali bzw. 'The Human Safety Net', aber bereits im August ein Aufreger der Lokalpresse (NUOVA vom 11.8.). Die Verhandlungen zwischen Generali und der 'Sopraintendenza', der obersten Baubehörde, sind weiterhin Thema (NUOVA vom 8.10.). Es wird berichtet, dass die Behörde unentschlossen sei.

Die Argumente sind divers angefangen von den hohen Summen, die Generali in die Restaurierung der königlichen Gärten und der Prokuratien investiert (und die Genehmigung einer Dachterrasse zur rein privaten Nutzung quasi kaum ablehnbar und ein Gegengeschenk sei?), über die fatale Genehmigung der Terrasse auf dem Fondaco dei Tedeschi, die künftige Ablehnungen derartiger Anträge erschwert, über die schon vorhandenen kleinen Altane auf dem Dach, die mit der geplanten großen, erhöhten Dachterrasse mit Brüstung nur "zusammengeführt" werden sollten, bis zur fragwürdigen privaten Nutznießung eines historischen Erbes und Gemeingutes aller Bürger. 

Die Präsidentin der italienischen NGO Italia Nostra, die Historikerin Dr. Lidia Fersuoch, fragt in einem Schreiben an die Baubehörde: "Soll diese überdimensionierte Terrasse über dem Markusplatz eine Messingbrüstung bekommen? Oder bevorzugt Chipperfield Zementbaluster? Installiert vor oder hinter der Mauerkrone aus istrischem Marmor, die 1517 Giuglielmo de Grigis genannt il Bergamasco, laut Beleg des Archivs der Prokuratoren von San Marco de Supra dort anbringen ließ? Zittert der Person, die diese Genehmigung unterschreibt, dabei nicht die Hand?" 
Sie merkt an, dass Generali das erste venezianische Großunternehmen war, das schon vor Jahren komplett auf Festland zog "in den Jahren, als der Tourismus noch maßvoll war und die Lagune dringend den Erhalt von Wirtschaftskräften benötigte. Jetzt kommt Generali zurück mit einem Heiligenschein und verwandelt den historischen Standort in einen Ort seiner Repräsentation. Was für einen enormen Wert schenken wir Generali mit der Genehmigung einer atemberaubenden Terrasse über der Piazza, die jedes Land ablehnen würde, das sein kulturelles Erbe schützt?"

Auch schön: Generali-Niederlassung in Brüssel
mit Markuslöwen und Street Art

Weitere Links zu Veröffentlichungen zum Thema, alle ca. 4 Wochen alt:

David Chipperfield Architect: Major new project announded in Venice

driven x design: Repair and reconfiguration of the Procuratie Vecchie on the Piazza San Marco in Venice (Detailinformationen ohne Schmus zum 'Human Safety Net'

Dezeen: David Chipperfiel to restore historic palace on Venice's Piazza San Marco (Artikel, der sowohl auf Details der Restaurierung als auch der Opposition David Chipperfields zum Brexit eingeht.)

Il Sole 24 Ore: A Venezia Chipperfield disegna per Generali gli spazi dell'hub sociale nelle Procuratie vecchie (Artikel, der sich auch auf die Neugestaltung der Fondaco dei Tedeschi durch OMA und des Negozio Olivetti - im Gebäudetrakt der Procuratie vecchie -  durch Carlo Scarpa bezieht.)

Italia Nostra: Le nuove Procuratie Vecchie (eine Sammlung von Artikeln zur beantragten Dachterrasse)



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5. November 2017

Baustellen in Venedig - Giardini Reali

Baustelle Oktober 2017

Vor 3 Jahren, am 23.12.2014, verkündete die Stadt Venedig "ein Wunder, geboren aus dem gemeinsamen Willen, der Stadt ihre königlichen Gärten zurückzugeben..." und ab dem folgenden Sommer und mit städtischen Mitteln von 3.800.000 € die verlotterte Anlage und ihre modernen Betonarchitekturanteile abzureißen. Erneuerte Grünbereiche, Restauration der alten Pergola, der alten Zugbrücke und ein neuer Wintergarten wurden angekündigt und auch das ehemalige Kaffeehaus, zuletzt als Touristeninformationskiosk in Verwendung, soll wieder hergerichtet werden. 


Ehemalige Pergola, April 2016

Der vernachlässigte Park und das heruntergekommene Kaffeehaus des frühen 19. JHs sind ja nicht der einzige Schandfleck an diesem Ort südlich des Markusplatzes und der neuen Prokuratien. Die Fondamenta ist gesäumt von Andenkenbuden, der Blick auf das Bacino, S. Giorgio Maggiore und die Dogana seit einigen Jahren verstellt durch den protzigen Vaporetti-Anleger. An dieser Stelle standen vor dem Fall der Republik Venedig drei große Getreidespeicher, die 'granai di terra nova', die frisch eingetroffene Getreidelieferungen (z. B. aus der Kolonie Kreta) zur Versorgung der Stadt direkt von den Schiffen aufnahmen. Hier befand sich auch das wichtige Marinegesundheitsamt, bei dem zur Seuchenvorsorge jedes ankommende Schiff bzw. die Kapitäne den lückenlosen Beleg ihrer Reise liefern mussten. Anderfalls wurde 40tägige Quarantäne von Mannschaft und Ladung auf Lazaretto Nuovo auferlegt. Abgerissen 1807, wurde das Gelände dem privaten Wohnbereich der neuen realen und imperialen Herren Venedigs  in den neuen Porkuratien einverleibt.  


Links 2 der ehemaligen 3 Kornspeicher

In Erwartung der Bauarbeiten ging ich 2015 und 2016 mehrfach bei den Giardini Reali vorbei: die Pflanzen gaben unter den gegebenen Umständen ihr Bestes, der Park war gut besucht, gibt es doch hier die wenigen Sitzplätze in unmittelbarer Nähe des Weltkulturerbeensembles um die Piazza San Marco (wenn auch viele der Bänke wie immer von schlafenden Männern belegt waren), von Arbeiten keine Spur.

Um April 2017 gab es eine neue Pressemitteilung der Stadt zum Projektstart im Mai und einen weichgespülten Werbefilm des Sponsors Generali Versicherungen, einer der großen Versicherungskonzerne der Welt, damit man sich die Sache besser vorstellen kann.




Als ich im Oktober im Rahmen einer Begleitung zum ersten Mal die restaurierten "Räume der Kaiserin Sisi" (für mich keine Priorität in Venedig) im Museo Correr in den neuen Prokuratien besuchte, zeigte der erschreckte Blick aus dem kaiserlichen Fenster: die Bauarbeiten sind jetzt im Gange - bzw. derzeit sind es noch die Abrissarbeiten.
Es geistert eine Vorstellung von der Eröffnung 2018 in den wenigen Medienmeldungen, aber das wollen wir dann doch abwarten und etwas Geduld in Bereitschaft halten. Was auch die Spannung erhöht.


Die Venice Gardens Foundation hat eine wirklich gut gemachte und informative Seite mit allen Details eingerichtet. Sehr lesenswert! Und wer mehr tun will, kann sich mit einer Spende an die fördernden  Stiftungen am Werk beteiligen. 

Der Plural im Titel dieses Eintrags deutet an: es folgen Berichte zu weiteren Bauestellen in der schönsten Stadt.


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6. Oktober 2017

Keine Werbung für die italienische Marine...




... obwohl der Eindruck entstehen könnte.

Es ist der Hinweis, dass vom 14.-20.10. einmal wieder das beeindruckende 86 Jahre alte Segelschulschiff Amerigo Vespucci in Venedig nahe der Arsenalebrücke, vor dem Museo Storico Navale, festmacht und das Publikum zu einem Besuch an Bord einlädt. 
Das Schiff mit 326 Personen Besatzung, davon 79 Schüler*innen, hat eine sommerliche Runde durch nordamerikanische Häfen absolviert. Hamilton BermudaMontrealBostonQuebec, Halifax, New York, das sind nicht alle, aber überall lange Besucherschlangen und offensichtlich sind alle der Meinung, dies sei das schönste Schiff der Welt. 
Hier ist der Link zur derzeitigen Reiseroute

12.10.: Sie ist angekommen. Das Besuchsprogramm der kostenlosen Führungen in den nächsten Tagen:
Samstag 14.10. 14:30-16:30 Uhr
Sonntag 15.10. 14:30- 18:30 Uhr
Montag 16.10. 14:30-18 Uhr
Dienstag 17.10. 10-12 Uhr (Gruppen)
Mittwoch 18.10. 10-12 Uhr (Gruppen)
Donnerstag 19.10. 10-12 Uhr (Gruppen), 14:30-18:00 Uhr.


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14. September 2017

Venezianische Gartennacht

Garten des Palazzo Soranzo Capello
"... mich im Garten aufzuhalten, wenn es nicht allzu heiß war. Ich hatte eine Laube errichtet und einen niedrigen Tisch und einen Lehnstuhl hineingestellt; ich brachte Bücher und Mappen mit Dokumenten nach draußen ... und arbeitete, wartete, sinnierte und hoffte, während die goldenen Stunden verstrichen und die Pflanzen im Sonnenlicht badeten und der unergründliche alte Palazzo jegliche Farbe verlor und dann, wenn der Tag sich neigte, sich zu erholen begann und eine rosige Farbe annahm..."
Henry James, Die Aspern Schriften

Der Palazzo Soranzo Capello und sein außergewöhnlicher Garten dienten Henry James als Handlungsort der 'Aspern Schriften'. Die erzählte Zeit dauert einen venezianischen Sommer und entfaltet sich symbolisch in einem zu Beginn vernachlässigten Garten, den der Autor aufblühen und seine verschwenderische Pracht ausbreiten lässt. Dann verschwindet der Garten aus dem Blickfeld, die Geschichte wird in anderen Räumen weiterentwickelt. 


Ich habe schon zweimal über diesen Garten berichtet:
26.6.2011 Ein venezianischer Garten - geöffnet bis 16. Juli
24.6.2015 Wieder geöffnet: Garten Soranzo Capello
und mehr ist diesen Einträgen eigentlich nicht hinzuzufügen. 
Der Garten öffnet sich nur alle paar Jahre dem Publikum, wie es scheint, immer nach größeren Pflegeaktionen, nachdem er ein paar Jahre ungestört von Gartenliebhaber*innen und Gärtner*innen vor sich hin wuchern durfte.

Und jetzt ist es wieder soweit, die Obere Denkmal-, Kunst- und Landschaftsbehörde, die ihren Sitz im Palazzo Soranzo Capello hat, bereitet uns eine wunderbare Herbstüberraschung: 

die nächtliche Öffnung des Gartens am 15., 19. und 22 September, jeweils von 19:00 bis 23:00 Uhr. Kostenfrei, keine Anmeldung erforderlich.

Darüber hinaus gibt es anlässlich der Europäischen Tage des Kulturerbes am Sonntag 24.9. kostenlose Führungen im Garten von 9:30 bis 13:30 und 14:30 bis 18:30 Uhr (und ich hoffe sehr, das Haus, das ich noch nicht kenne, ist in den Führungen enthalten)


Haltestellen Ferrovia und Riva di Basio.







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26. August 2017

Übermorgen im Arsenale...

Quelle: des Fotos: wurde ohne Quellenangabe auf den Webseiter
verschiedener Lokalzeitungen veröffentlicht

gibt es eine Premiere. Open-Air-Kino im Arsenale!

Preview des Films "Dunkirk" am 28.8. um 21 Uhr im Arsenale Nord.

Die Information steht schon seit einem guten Monat im Kulturkalender:
Schon am 28.8. gibt es ein Pre-preview des Films "Dunkirk" im Arsenale. So wien es auf diesem Foto aussieht, wird ein Open-air-Kinsosaal aufgebaut neben dem alten U-Boot, das im militärischen Bereich aufgebockt ist. Näheres weiss ich noch nicht. Eingang durch die Tesa 105, Haltestelle Bacini, Linien 4.1.-2. und 5.1.-2.  Details (Uhrzeit, Tickets... folgen.)

aber erst heute habe ich erfahren, wie man an Karten kommt. Hoffentlich nicht zu spät für die, die sich für diese Veranstaltung interessieren. Ich gehöre nicht dazu und bin außerdem zuhause im klimatisch angenehmeren Norden. Aber wer zur Zeit (vielleicht sogar wegen der Filmfestspiele) in Venedig ist, will es vielleicht versuchen: 

Kartenanfrage über diesen Link  ('fai login e participa' klicken und Emailadresse registrieren). Kostenlose Einladung erfolgt per Email, falls noch Plätze vorhanden sind. Mit einer Einladung kann man eine ebenfalls kostenlose Shuttle benutzen (hin und auch wieder zurück):


von Ferrovia F30 und Tronchetto
19.00 – 19.15
19.30 – 19.45
20.00
von Zan Zaccaria/Monumento
19.15 – 19.30
19.45 – 20.00
20.15

Einheimische im Besitz eines RUDERbootes dürfen sich nach vorheriger online-Anmeldung (bis heute Abend) das Spektakel von ihrem Boot aus ansehen. Eine schöne Idee, die uns Normaltouristi aber nicht betrifft... 
Location auf Googlemaps ansehen.



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