13. Januar 2017

Erster Blick zur Biennale 2017 - GIARDINI

Biennale 2011
Pavillon Russland
Die 57. Kunstbiennale startet in 4 Monaten am 13. Mai  und bis auf die Veröffentlichung des Konzepts der Direktorin Christine Macel (die 2013 schon den französischen Pavillon kuratierte) im September 2016 gibt noch keine offiziellen Details. In den Wochen vor Eröffnung der Biennale "Viva Arte Viva" will Christine Macel täglich ein Video auf die Biennalewebsite stellen, in denen sich Künstler*innen mit ihrem Biennaleprojekt vorstellen und Besucher*innen auf das Ereignis vorbereiten können. 
Ergänzung 7.2.: seit heute stehen die ersten 30 "Artists"-Videos auf der Website der Biennale. Leider nicht verlinkt, um sie zu sehen, klickt man hier.

Schöne Idee, von mir im Ansatz seit 2011 praktiziert (siehe Labels der Biennalen 2007-2016, rechte Spalte). Das soll auch 2017 so gehalten werden, denn im www trudeln schon ca. 1 Jahr im Voraus die ersten Ankündigungen ein. Hier also ein erster gespannter Blick auf die angehäufte Linksammlung.
Ich beginne mit dem Ausstellungsgelände der Giardini und ihren nationalen Ausstellungspavillons, querbeet, in der Reihenfolge:

Österreich

Japan
Nordischer Pavillon
Dänemark
Großbritannien
Niederlande
Korea
Israel
USA
Frankreich
Belgien
Spanien
Tschechien
Slowakei
Canada
Deutschland
Schweiz
Polen
Australien
Griechenland
Brasilien
Rumänien
Russland
Uruguay
Finnland
Ägypten
Ungarn
Serbien
Venezuela



Biennale 2011
Pavillon Serbien
Freudige Überraschung zuerst: Österreich baut an! Das Doppel von Erwin Wurm und Brigitte Kowanz, angekündigt im April 2016, nicht nur bei mir als Drucksen vor einer Entscheidung im Verdacht, führt anscheinend unerwartet zu einem guten Ende des Gestrüpps innerhalb des österreichischen Pavillons. In den letzten Jahren ließen sich die Kurator*innen zu fortschreitender Bepflanzung des rückwärtigen Freiluftbereiches hinreissen, ohne große Kenntnisse in Botanik und Gartenarchitektur, mit Verlaub. Vor einer Woche verkündete Brigitte Kowanz im Kurier die Planung eines Anbaus und damit die Erweiterung und angemessene Aufteilung der Ausstellungsräume an. Und Offizielles dazu. Und noch ein interessantes Interview mit Frau Kowanz vom 18.4.. Am 2.5. gibt es nun auch ein Interview mit Erwin Wurm. Ich bin sehr gespannt. 

Der Pavillon Japans wird bespielt mit dem Werk "Upside Down Forest" von Takahiro Iwasaki - in kleines Vimeo, das daüber hinaus Neugier weckt. 15.3.: mehr dazu

Der Nordische Pavillon - Schweden, Finnland, Norwegen wechseln sich ab - liegt in diesem Jahr in der schwedischen Verantwortung. Moderna Museet zeigt in "Mirrored" 6 Künstler*innen: Siri Aurdal, Nina Canell, Charlotte Johannesson, Jumana Manna, Pasi "Sleeping" Myllymäki, Mika Taanila. Ein schöner Blick in den leeren Raum des Pavillons und mehr Informationen zur Ausstellung.

Nachbarlich neben dem Nordischen liegt der dänische Pavillon mit einer Einzelausstellung der Künstlerin Kirstine Roepstorff. Die Ankündigung des Projekts gefällt mir, und auch dieses kleine Interview. Mehr zur Künstlerin und mehr zu ihrer Arbeit.


Biennale 2013
Pavillon Uruguay
Im britischen Pavillon sind wie bei der letzten Biennale Skulpturen zu sehen, diesmal von Phyllida Barlow. Siehe auch Forum Ludwig Aachen: Kunstpreis Aachen 2012 und den Guardian vom 4.3.2016. Mehr beeindruckende Werkfotos. Ergänzung 10.2. mehr zur Künstlerin.

Die Niederlande zeigen 3 für die Biennale neu geschaffene Werke der Videokünstlerin Wendelien van Oldenborgh. Im Fokus stehen wenig beachtete Kapitel der niederländischen Kolonial- bzw. Postkolonialgeschichte. 
Vorstellung und Erstaufführung "Beauty an the right to the ugly" im November 2014.

Im koreanischen Pavillon werden 2 Künstler präsentiert: Lee Wan mit Installationen (16.2.: mehr dazu) und der Konzeptkünstler Cody Choi. Ich bin sehr gespannt, denn seine Vorstellungen von Venedig kommen schon überraschend: "Aus Chois Perspektive gibt es keinen Unterschied zwischen Venedig und Glückspielorten wie Las Vegas und Macau, also wird er die glitzernden aber hohlen Reklamefelder dieser Städte reinterpretieren. 'Es gibt keine wahre Kunst in Venedig, aber die Stadt hat Kraft, Kapital und äußerste Autorität'." (Zitat siehe Link). 9.3.: Ergänzung dazu.
23.4.: Oho! Ist das
 eine geschickte Marketingstrategie, um Aufmerksamkeit auf den koreanischen Pavillon zu lenken? Keine wirksame Baugenehmigung aus dem Jahr 1995 für den Pavillon?


Biennale 2013
Pavillon Venezuela
Israel zeigt den vielseitigen Künstler Gal Weinstein. Er repräsentierte Israel schon auf den Biennalen in Thessaloniki und Sao Paulo.

Für den Pavillon der USA wird Mark Bradford eine site-spezifische Installation kreieren. Mehr zum Künstler aus dem New Yorker und der New York Times. Und auf deutsch. Hier spricht er selbst. 26.1.: Mark Bradford bezieht Rio Terà dei Pensieri in sein Ausstellungsprojekt ein. Mehr dazu inklusive eines wunderschönen Fotos der netten Frau, die am Compo Santo Stefano die Rio Terà dei Pensieri-Taschen verkauft. Siehe auch Eintrag Rio terà dei pensieri. 27.4.: Neues zum Projekt aus der New York Times. 29.4.: Eröffnung des neuen Ladens von Rio terà dei Pensieri, der Teil des Ausstellungsprojekts ist. Und am 2.5. ein bisschen Ärger (oder vielleicht gezielte Indiskretion?).

Der Pavillon Frankreichs ist musikalisch dominiert, nicht zum ersten Mal. Xavier Weilhan präsentiert sein Projekt "Merzbau Musical", basierend auf dem Werk Kurt Schwitters'. Details dazu. 29.3.: Interview Xavier Weilhan.

Im belgischen Pavillon ist Flandern wieder an der Reihe der Kunst, repräsentiert vom Fotografen Dirk Braeckmann.

Spanien wird vertreten durch den katalanischen Künstler Jordi Colomer. Sein Projekt "Ciudad del Bolsillo" diskutiert urbanes Leben und Nomadismus - spannend. 

Der gemeinsame Pavillon Tschechiens und der Slowakei zeigt das
Projekt 
"Swan Song: Now" der Künstlerin Jana Zelibská. Interview
und mehr Werke der Künstlerin.


Der Pavillon Canadas wird renoviert, soweit ich weiss, nach
Schließung der Biennale im November. Letzte Künstler im alten Bau
Bau sind Geoffrey Farmer (siehe Ausstellung 2014 im
Hamburger Kunstverein) und Mike Bourscheid
(Kunstpreis Robert Schumann 2015). Mike Bourscheid ist gleichzeitig
der Protagonist des Pavillons von Luxemburg im der Ca' del Duca am Canal
Grande.
21.2.: Mehr zu Geoffrey Farmers Installation "A way out of the mirror".
14.3.: noch mehr zu Geoffrey Farmer.


Die Präsentation im deutschen Pavillon macht Anne Imhof.
Außenminister Steinmeier sagt was dazu.
Rezension ihres Projekts "Angst II" im Hamburger Bahnhof
in Berlin im Herbst 2016. Aktuelles Portrait der Künstlerin
von Dirk Schwarze. 16.4.: Interview mit Anne Imhof.


Die Schweiz gedenkt im Giacometti-Jahr Giacomettis. Der
Pavillon ist ein Werk Bruno Giacometti, jüngerer Bruder von
Albert, welcher alle Einladungen zur Biennale ausschlug.
Teresa Hubbard und Alexander Birchler machen sich unter
dem Thema "Venedigs Frauen" darüber Gedanken. Hubbard
und Birchler lehren bzw. forschen an der
Universität von Texas, Austin. Zur Schweizer Ausstellung
auch ArtNews.
Ein interessanter 
Artikel zu Giacometti, kürzlich in der NZZ
erschienen. Ergänzung 14.3.: Mehr zum Ausstellungsprojekt
aus Weltkunst 125/2017. 21.4: Interview mit Philipp Kaiser,
der den Schweizer Pavillon kuratiert. 4.5. interessant im
Zusammenhang: Giacometti in der Tate.


Den polnischen Pavillon gestaltet, etwas überraschend,
die amerikanische Filmemacherin und  Fotografin
Sharon Lockhart. Der Titel der Ausstellung "Little Review"
wurde inspiriert von einer gleichnamigen Kinderbeilage der
Zeitung Nasz Przeglad vor dem deutschen Übefall auf Polen
1939. Sharon Lockhart hat bereits einen 
Film über polnische
Kinder vorgestellt:
Podwórka. 10.4.: Interview mit der Künst-
lerin. 17.4. noch was zur Ausstellung.


Biennale 2013
Pavillon Finnland
Australien zeigt in seinem neuen und, wie man bei der Architekturbiennale sah, flexiblen, Pavillon eine Einzelausstellung von Tracey Moffat mit dem Titel "My Horizon". Etwas mehr, aber nicht viel, dazu. Als erste Ausstellung einer indigenen Künstlerin erhält das Projekt besondere Anerkennung und Förderung. Ergänzung 15.2.: Der Bundesstaat Tasmanien beteiligt sich mit einer eigenen Vertreterin, Ruth Langford. Ich gehe davon aus, dass auch diese Ausstellung ihren Platz im australischen Pavillon hat. 23.3. The Guardian zu Tracey Moffat.

Griechenland wird vertreten durch den Filmemacher und Videokünstler Giorgios Drivas und den Leiter des Film Festivals Thessaloniki, Orestis Andreadakis. Das Ausstellungsprojekt "Laboratorium der Dilemmata" thematisiert über das zweieinhalbtausend Jahre alte Theaterstück "Die Schutzflehenden" von Aischylos die Integration des Fremden in die Gesellschaft. Ich bin sehr gespannt und werde vermutlich Stunden bei den Griechen verbringen, wie zuletzt beim Opernfilm im polnischen Pavillon. Mehr dazu am 4.5. sowie die Website der Ausstellung.

Brasilien hat erst kürzlich den Kurator der Ausstellung, Jochen Volz, bekanntgeben. Warten wir das Weitere ab. 18.4.: Das Weitere in schlichter Form. Die Künstlerin Cinthia Marcelle war die erste Gewinnerin des Future Generation Art Prize und hat einen Vimeo-Account, Geduld, funktioniert ein bisschen langsam.

Der rumänische Pavillon in den Giardini (es gibt noch in der Stadt das Istituto Romeno, in dem weitere Ausstellungen und Biennaleveranstaltungen stattfinden) stellt Arbeiten der Konzeptkünstlerin Geta Bratescu aus. 11.4.: Interview mit der Künstlerin.

Spät (21.1.17) informiert die Russische Förderation über ihre Ausstellungspläne, und ich freue mich enorm: nach den beiden Ausstellungen 2015 gibt es wieder die Gelegenheit, die Arbeit von Grisha Bruskin in Venedig zu bewundern. (Siehe Einträge vom 19.2.15 'Eine hinreissende Ausstellung', und 4.11.15 'Biennale 2015 zum Letzten'.) Mit ihm teilen sich den russischen Biennaleauftritt: Sasha Pirogova, Video- und Performancekünstlerin, und Georgij Kuznetsov/ Andrej Blokhin (Recylce Group), die schon 2015 in Venedig zu sehen waren in 'Glasstress' und in der Nebenausstellung 'Converse' (siehe auch Eintrag vom 19.6.15 'Sant' Antonin Gesamtkunstwerk'). Neue Information eine Woche später: zwei Dozent*innen der Universität Ca' Foscari unterstützen den Kurator des russischen Pavillons.

Für Uruguay tritt Mario Sagradini an. Keine persönliche Website, kein Wikipediaeintrag, herausgefunden habe ich nur, dass er das MNAV Museo Nacional de Artes Visuales leitet und 2016 in einem Saal eigene Werke ausstellte. Mehr dazu. Interview mit Mario Sagradini Teil 1; Teil 2; Teil 3. Meine Spanischkenntnisse reichen leider nicht aus. 16.3.: heute weitere Informationen.

Finnland lässt wieder seinen flexiblen Pavillon umbauen, durch Erkka Nissinen und Nathaniel Mellors, mit dem Projekt "The Aalto Natives". Ergänzender Artikel vom 27.3.. 21.4.: Interview mit Nissinen/Mellors.

Ägypten zeigt eine Einzelausstellung des Künstlers Moataz Nasr mit dem Titel "The Mountain". In Wikipedia wird er als "selbsternannter Kulturaktivist" bezeichnet, eine eher ungewöhnliche Definition... Artsy führt einige seiner Werke. 

Auch Ungarn liefert eine männliche Einzelausstellung: Gyula Varnai mit dem Projekt "Peace on Earth". 29.3.: Interview mit dem Künstler. 4.4. Mehr zur Ausstellung. 26.4. Noch mehr zur Ausstellung.

Für den serbischen Pavillon werden Vladislav Scepanovic,  Milena Dragicevic und Dragan Zdravkovic angekündigt. Keine Details zum Titel "Enclavia - Painting, consequence of this kind of life" zu finden. 

Venezuela, das einige Jahr bei der Kunst- und Architekturbiennale pausierte, steigt wieder ein mit "Formas escapándose del marco" und dem Künstler Juan Alberto Calzadilla Álvarez, Dichter und Maler.


Biennale 2014
Pavillon Ägypten

Siehe Folgeeintrag vom 15.01.: der erste Blick zu den Nationenpavillons im Arsenale 
und 24.2.: Nationalpavillons in der Stadt
und 10.3.: Nebenausstellungen in der Stadt.


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