10. März 2017

Biennale 2017 - Nebenausstellungen in der Stadt

2013, Nebenausstellung im Palazzo Contarini-Polignac
Einer der beiden Landeingänge des Palazzo
Erster Eintrag zum Thema "eventi collaterali", Nebenausstellungen. Bisher hat die Biennale noch keine Liste veröffentlicht, und es gibt immer Ausstellungen , die sowohl völlig unabhängig von der Biennale gezeigt werden, als auch derart kurzfristig anberaumt und gezeigt werden, dass sie in keinem Werbemedium mehr auftauchen. 

Nebenausstellungen in der Stadt finden häufig in Gebäuden und Räumen statt, die an sich schon interessant sind, weil sie nur anlässlich einer solchen Vermietung für eine Ausstellung für das Publikum zugänglich sind und danach möglicherweise jahrelang oder überhaupt nicht mehr. Im Palazzo Soranzo van Axel stellte 2007 Mexico aus, bevor er komplett renoviert und verkauft wurde, 2011 konnte man vor seiner Konvertierung zum Luxushotel den ganzen Palazzo Papadopoli besichtigen, 2012 und 2013 stellte Mexico in San Lorenzo aus, bis dahin jahrzehntelang und seither wieder verschlossen, 2015 hatte ich zum erstem Mal das Glück, den Palazzo Barbaro anlässlich einer Sonderausstellung von Azerbaidjan zu sehen. Um nur einige Beispiele zu nennen. 


2013, Nebenausstellung im damaligen Sitz der Fondazione Gervasuti
Handwerkerhof beim ponte S. Gioacchino in Castello
Weitere, noch unbekannte venezianische Gebäude kennenzulernen ist EIN Reiz für Venedig-Appassionati, das Zusammenspiel der alten Räume mit der ausgestellten Gegenwartskunst, teilweise spezifisch konzipiert, ist ein anderer. Diese Kombinationen sind nur einmal und unwiederholbar zu sehen. 

Aber auch offene Räume der Stadt erhalten durch Nebenausstellungen einen speziellen und einzigartigen neuen Aspekt, wie z. B. anlässlich der Archtikturbiennale 2014 der Campo vor S. Giorgio Maggiore durch "The sky over 9 columns" von Heinz Mack.


2013, Nebenausstellung an der Marina von S. Giorgio Maggiore

Im Stadtbild von 2017 erwarten wir "The Golden Tower", eine ca. 20 m hohe goldene Säule von James Lee Byars auf dem Campo S. Vio. Der Campo liegt vor dem Palazzo Cini der Nähe des Palazzo von Peggy Guggenheim und ist auch während der Vorbeifahrt auf dem Vaporetto gut vom Canal Grande aus zu sehen. Haltestelle Accademia.

An der Fondamente Zattere, auf Höhe der Denkmaltafel für Joseph Brodsky, wird im Sommer eine Art Replik des Lenin-Mausoleums vom Mokauer roten Platz am Ufer schwimmen, Erinnung an die russische Revolution 1917. (Ich weiss nicht, ob Brodsky dieser Gebrauch seiner Lieblingsstätte begeistert hätte, aber ich denke, die Installation wird beeindruckend sein.) Haltestellen Zattere und Spirito Santo.


2013, Nebenausstellung Marc Quinn im Squero auf  S. Giorgio Maggiore,
heute Auditorio "Lo Squero"

Schottland zeigt "Spite Your Face" der Filmkünstlerin Rachel Maclean in der ehemaligen Klosterkirche Santa Catarina. Die Kirche ist Teil einer Mädchenschule und war viele Jahre nicht zugänglich, zur Kunstbiennale 2015 wurde sie zum ersten Mal für eine quasi unbeleuchtete Ausstellung vermietet, zur Architekturbiennale 2016 wieder, ein bisschen aufpoliert (aber keineswegs renoviert) und mit etwas Licht versehen. Maclean schafft Werke eigens für diesen Raum. Der dunkle Kirchenraum hat eine ungewöhnliche und sehr spezifische Stimmung. Man sollte jede Gelegenheit nutzen, sie zu erfahren.
Und: es gibt wieder schottische Student*innen/Praktikant*innen, die immer mit großer Freundlichkeit zu Gesprächen über Kunst, Gott und die Welt aufgelegt sind. Mehr zu den 3 britischen Ausstellungen. Haltestelle Fondamente Nove und Ca' d'Oro.


Der Künstler James Richards vertritt Wales, das wieder in der ehemaligen Kirche S. Maria Ausiliatrice ausstellt. Mehr dazu. Wales neigt zu Filmbeiträgen, weshalb der sehr schöne Altar, vor allem das Relief unter dem Altartisch, normalerweise im Dunkeln nicht zu sehen ist. Dem wird hier abgeholfen (und die folgenden Filme der letzten Ausstellungen sind ebenfalls interessant zu sehen). Die Kirche ist Teil eines ehemaligen Klosters, das heute als Wohnheim für Studierende (nicht zugänglich) und als Ludothek genutzt wird und stark umgestaltet wurde. Einen Teil des 2. Kreuzgangs kann man 'hintenrum' durch den Eingang zur Ludothek sehen. Mehr zu den 3 britischen Ausstellungen. Haltestelle Arsenale und Giardini.


2013, Nebenausstellung Ai Wei Wei "Disposition"
in Gebäude der Zitelle, Giudecca

Ein sehr beeindruckender Ausstellungsraum ist der Palazzo delle Prigioni (die neuen Gefängnisse), der durch die "Seufzerbrücke" mit dem Palazzo Ducale verbunden ist. Hier stellt Taiwan aus, von 1995-2000 als Nation, durch den neuen Status in Bezug auf die VR China wurde der nationale Pavillon 'herabgestuft' auf eine Nebenausstellung, was bisher weder die Qualität der Kunst noch die der Location gemindert hat. Taiwan zeigt unter dem Titel "Doing Time" Werke von Tehching Hsieh. Mehr dazu. Noch mehr dazu.
Die Ausstellungsräume befinden sich im Obergeschoss, in den ehemaligen Amtsräumen der "Signori di notte", mit mächtigen und hohen Mauern, Wappen und Ritzgraffitti. Aus dem Treppenhof Ausblick in den Innenhof der neuen Gefängnisse. Die Zellen im Wassergeschoss kann man nur mit dem Rundgang durch den Dogenpalast, nach der Überquerung der 'Seufzerbrücke', besuchen. Unbedingt sehenswert. Haltestelle San Marco/San Zaccaria.


Der Piano nobile des Palazzo Michiel del brusà am Canal Grande wird vermietet an die Ausstellung Venice Design 2017. Mehr zum Palazzo, 1774 abgebrannt (daher der Name del brusà), Stammsitz der Familie Michiel, die der Serenissima 3 Dogen schenkte: Vitale I, Domenico und Vitale II. Räume und Balkonaussicht der Ausstellung sind sehenswert, aber besonders gefällt mir die Atmosphäre und Aussicht in der niedrigen Halle im Parterre zum Canal Grande mit ihrem schönen Brunnenkopf. Ideal für eine kontemplative Pause. Eingang von der Strada nova. Haltestelle Ca' d'Oro.
2013, Oratorio S. Ludovico
Vom Oratorio San Ludovico stehen nur noch die Außenmauern und das Dach. Der Raum enthält nichts mehr von seiner ehemaligen Ausstattung (na gut, ein Altarrahmen!) und ist eigentlich so schlicht, dass man fast erschrickt. Trotzdem ist das ehemalige Oratorio geeignet für kleine Ausstellungen und wird jährlich genutzt. Vom 13.5.-1.8. findet hier eine Phase des Langzeitprojekts "One Million Years" des Künstlers On Kawara statt. 
(Das Oratorio San Ludovico ist einer der Schauplätze des Venedig-Romans von Salley Vickers "Miss Garnet und der Engel von Venedig.)
Haltestelle S. Basilio, in einer Sackgasse, die rechts von der Fondamenta S. Sebastiano abgeht.

Libanon stellt zwar im Arsenale aus, aber im Arsenale Novissimo, jenseits des kostenpflichtigen Arsenalegeländes auf der anderen Seite des Arsenalebeckens. Im Juni 2016 wurde als Location für die Ausstellung "Sacrum" des Künstlers Zad Moultaka die Kirche S. Maria della Misericordia genannt, die aktuelle Information ist allerdings die Tesa 100 mit der Ausstellung "At the beginning was Jeita". Die riesigen Ausstellungshallen, restaurierte ehemalige Gebäude der venezianischen Schiffbauindustrie sind zu erreichen über die Haltestellen Celestia und Bacini (die Rede ist vom rot umrahmten Bereich. Der dunkle Bereich ist der nicht öffentliche Teil des Verteidigungsministeriums, der dunkel umrahmte Bereich der unteren rechten Hälfte des Geländes ist das offzielle Biennale-Gelände, zahlungspflichtig).


2013, Nebenausstellung "Alice Lapper Pregnant" von Marc Quinn
Campo S. Giorgio Maggiore
Der Future Generation Art Prize ist kein Teil der Biennale, die Gewinner*innen des jährlichen Wettbewerbs des PinchukArtCenters und der Victor Pinchuk Foundation werden aber jeweils als offizielle Nebenausstellung in einem exquisiten Palazzo am Canal Grande ausgestellt.
In diesem Jahr ist dies wieder der Palazzo Contarini Polignac neben der Accademiabrücke, ein unbedingt sehenswerter Bau der Frührenaissance mit Innenhof und schönen Details wie z. B. einem Halbmezzanin in der rechten Gebäudehälfte. Mehr zum Palazzo und seiner ehemaligen Bewohnerin Winetta Singer.
Das Gebäude ist z. T. bewohnt, aber auch venezianisches Büro von SAVE VENICE und der Rosand Bibliothek und wird jeweils nur kurzfristig für Ausstellungen und Veranstaltungen vermietet.
Eine interessante politische Meinung zu Victor Pinchuk aus der SZ vom 4.1.17.
Ergänzung 18.3.: Gewinner des Future Generation Art Prize 2017.

Nur vom 8.-28.6. gibt es im Palazzo Ca' Nova (den ich bisher nicht kenne) eine Einzelausstellung ausem Archiv der amerikanischen Künstlerin Carol Rama: "Spazio anche più che tempo" - Raum sogar mehr als Zeit. Ich habe keine Vorstellung, ob die Räume dieses Gebäudes interessant sind, ausprobieren! Corte Barozzi zwischen den vielen Hotels am Ausgang des Canal Grande, Haltestelle Vallaresso und dann links halten.


2013, Nebenausstellungsräume im Palazzo Michiel del brusà am Canal Grande
Im Palazzo Mora an der Strada Nova in Cannaregio findet wieder die Nebenausstellung "Personal Structures" der niederländischen GAA Foundation statt. (Vorsicht mit der offiziellen Website: die Fotos zeigen nicht den Palazzo Mora.) GAA organisiert jährliche Gruppenausstellungen unter Kostenbeteiligung (12.000 €) der ausstellenden Künstler*innen.
Das mehrstöckige Doppelgebäude ist unbewohnt und wird vom Vorgarten bis unters Ziegeldach für Ausstellungen genutzt, die Verschiedenartigkeit der Räumlichkeiten sind an sich schon ein Abenteuer.
Über einzelne Teilnehmer*innen der Sammelausstellung habe ich bisher foglende Informationen:
Sara AL Haddad und Anna Friemoth
Manfred Kielnhofer KILI und nochmal 20.3.
Jane Fulton Alt
Susanna Andreini

Die zweite Location von "Personal Structures" ist wieder der Piano Nobile des Palazzo Bembo mit seiner wunderbaren Fassade am Rialto. Andere Etagen des Hauses werden als Hotel genutzt, die Ausstellungsräume enthalten leider kaum noch Teile alter Ausstattung (z. B. einen schönen Terrazzoboden). Aber man hat vom Balkon einen interessanten Blick auf das Gewühl und den enormen Verkehr an der Rialtobrücke. Details zum Gebäude
Zu den Teilnehmer*innen der Gruppenausstellungen habe ich bisher folgende Details:
Paul David Redfern
Christine Dixie

2013, Nebenausstellung  von Antonio Nocera "I libri d'acqua"
im Kreuzgang des ehemaligen Klosters S, Nicolò, Lido
Auch im Palazzo Corner Spinelli finden zwei Gruppenausstellungen (vom 9.5.-8.8. und vom 1.9.-8.11. statt, veranstaltet von der Schweizer NGO Kulturinstitution Arte Ponte. Über diese Ausstellungen konnte ich bisher keine Details in Erfahrung bringen. Details zum Palazzo, der Sitz der Seidenmanufaktur Rubelli und im Besitz der Familie Rubelli ist. (Traditionsstoffe von Rubelli liegen zur Besichtigung über den Brüstungen des Fondaco dei Tedeschi.) Ich war noch nie in diesem Haus und bin sehr gespannt. Haltestelle S. Angelo.

Eine weitere Gruppenausstellung gibt es im Palazzo Pisani bei S. Marina (von dessen Fenstern man einen tollen Blick auf den jahrelang renovierten Palazzo Soranzo van Axel hat). Die Sache nennt sich Diaspora Pavilion, ein etwas rätselhafter Titel - Diaspora ist griechisch für "Aufspaltung", und es gibt eine quasi religiöse Bedeutung des Wortes; in diesem Fall scheint es sich um junge Künstler*innen zu handeln, deren Auftritt von Mentoren betreut wird.
Ich habe in diesem Haus schon Ausstellungen in der Eingangshalle gesehen; immer aber wird das oberste Stockwerk vermietet, was eine Menge steiler Treppen bedeutet (und eben den schönen Ausblick), nichts für Menschen mit Gehbehinderung. Eine Gruppenausstellung kann eigentlich nur oben untergebracht sein. Haltestelle Rialto und Ospedale.

Ein Haus, das zum ersten Mal für eine Ausstellung geöffnet ist: die Palazzina Canonica an der Riva dei sette martiri, dem früheren Sitz des Instituts für Meereswissenschaft (CNR-ISMAR), jetzt im Arsenale. Die Palazzina ließ sich der Künstler Pietro Canonica 1911 als Privathaus bauen. Das Filmprojekt von Shezad Dawood heißt "Leviathan", gezeigt werden 3 Teile einer 10teiligen Filmserie. Mehr dazu.



Eintrag wird fortgesetzt.

Ich biete BEGLEITUNGEN in Venedig an, auch zu den vielen Einzelausstellungen - national oder kollateral - die ab Mai überall in der Stadt öffnen, teilweise in Gebäuden, die normalerweise keine Besucher*innen empfangen. Für Venedig-Appassionati immer wieder eine spannende Sache. Und ein besonderes Kunsterlebnis: ungewöhnliche alte Strukturen beherbergen neue Kunst, die teilweise sogar eigens für den Ausstellungsraum konzipiert wurde. Wer an meinen Diensten interessiert ist, nimmt bitte Kontakt auf über einen Klick auf "Begleitung in Venedig", Ecke rechts ganz oben.


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