24. Juli 2017

Noch einmal: Villa Cornaro, Piombino Dese

Quelle: Regione del Veneto 2016

Am 7. September 2007, also vor 10 Jahren, fuhr ich von Venedig nach Piombino Dese, eine kleine Bahnstrecke von der Dauer der Vaporettofahrt von Giudecca Palanca bis Fondamente Nove, um auf Einladung des stolzen Besitzerpaares Sally und Carl Gable die Villa Cornaro, Werk Andrea Palladios, zu besuchen.

Meinen Bericht vom Oktober 2007 kann man hier lesen: 
Villa Cornaro - ein Ausflug aufs Festland.

Der Eindruck war nachhaltig: in der Folge las ich viele Bücher über Andrea Palladio und vor allem seine "Vier Bücher zur Architektur", besuchte diverse Ausstellungen zu Palladio in Venedig und andernorts, pflegte noch einige Jahre den gelegentlichen Mailkontakt mit den Gables aber kehrte nicht mehr nach Piombono Dese zurück. Wollte eigentlich schon, hat sich aber nicht 'ergben'.


Im Februar 2017 fand ich die Villa Corner auf der Webseite von Sotheby's - Preis auf Nachfrage. Da die Gables schon vor 10 Jahren zwar bei bester Gesundheit, aber beide betagt waren, gab es einen nahe liegenden Schreckgedanken. 
Die Widmung in "Palladian Days - Finding a New Life in a Venetian Country House" lautet: 


"For Ashley, Carl and Lisa, Jim and Juli. 
Hoping they will understand why we embarked on this adventure, learn about the Veneto and the Renaissance, and grow confident in their own ability to seize dreams. 
And so they will know where the money went."

Meine Befürchtung hat sich zum Glück nicht bestätigt - nicht die Erben verkaufen das Haus, sondern aus Altersgründen das Besitzerpaar selber. Auf 2 Kontinenten zu leben, ist auch eine Frage der Kondition.

Vor 10 Tagen berichtete die New York Times in einem sachkundigen, lesenswerten Artikel (in Anlehnung an die Website der Gables) über das sensationelle Angebot einer Palladio-Villa: 


wow, inklusive 7 beeindruckenden Fotos (natürlich habe ich bei meinem Besuch der Villa weder im Haus fotografiert, noch die (Schlaf- und Arbeits-)zimmer der oberen Etage gesehen). Nachdem die Sache groß raus ist, kann ich meine Zurückhaltung aufgeben und auch auf die Sensation hinweisen.
Eine Immobilienfirma klinkt sich mit einer Art Schein-Exposé ein, aber die Fotos sind sehenswert (wenn auch ein Foto der Rückseite des Hauses extrem in die Höhe gezogen ist, geklaut bei Guide touristiche Padova). 

In den 10 Jahren seit meinem Besuch der Villa verzichten erstaunlicherweise Reiseführerautor*innen durchgängig weiterhin darauf, auf dieses Juwel aufmerksam zu machen. Es gibt ein paar Tips von/für Tourist*innen online, und die Tourismus-Seite von Padua empfiehlt den Besuch der Villa mit Besuchshinweisen.

Dieses Besuchsangebot beruht auf der Gastfreundlichkeit des Ehepaars Gable, ohne Zaudern und kostenlos seinen Besitz dem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Und man wandert nicht nur durch die Räume, die Palladio für die Präsentation konzipierte, sondern auch durch Küche, Bad, Wohn- und Arbeitsräume des Erdgeschosses. Ob das nach dem Verkauf und unter neuen Besitzer*innen noch der Fall sein wird, kann niemand wissen. Wer 45.000.000 € in ein Haus investiert, hat sicher ziemlich exklusive Nutzungsvorstellungen. Realitischerweise würde ich also befürchten, dass man künftig keine Chance mehr hat, die Villa zu besichtigen. 

Also: die möglicherweise letzte Gelegenheit nützen, bis Ende September Samstagnachmittag einen Ausflug nach Piombino Dese machen. (Oder danach telefonisch einen Termin abmachen. Ein junger Mann aus der Nachbarschaft ist zuständig, für vereinbarte Gruppenbesuche die Türen und Fensterläden zu öffnen. Solange das Haus nicht den Besitzer gewechselt hat.) 

Auf der Gable-Webseite finden sich Informationen zu Palladio und seinem Werk.
Auch das Vorbesitzerpaar der Villa, Richard H. und Julia Rush, berichtete sehr lesenwert über "Our Purchase and Restauration of the Villa Cornaro". 




Alle Einträge mit dem Label Palladio


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